Der lange Weg vom Einzelhandel
zum globalen Umweltschutz
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Büro des ehemaligen japanischen
Premierminister Toshiki Kaifu
Von Taro Ichikawa
Tokio
(IDN*) – Sie begrünt Orte in Japan, die Umgebung der
Chinesischen Mauer, den Lao-Bergdamm in Qingdao, den Süden
Thailands, Vororte der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur,
den kambodschanischen Tempelbezirk Angkor Wat und
Landstriche in Kenia. Die japanische Umweltstiftung AEON hat
dafür gesorgt, dass auf der ganzen Welt 9,2 Millionen neue
Bäume wachsen.
In diesem
April wurde immerhin schon der einmillionste Baum an der
Chinesischen Mauer in die Erde gesetzt. Zu diesem Jubiläum
kam auch der ehemalige japanische Ministerpräsident Toshiki
Kaifu, der in China viel Vertrauen und Popularität genießt.
Er war es auch, der einst den Anstoß zu der Partnerschaft
zwischen der Stiftung und der Volksrepublik gab.
Im
Oktober wird die AEON-Stiftung bei der UN-Konferenz über
Artenvielfalt in der japanischen Stadt Nagoya den ersten
'Midori-Preis für Biodiversität' vergeben. Das Wort 'Midori'
bedeutet 'grün' und lässt sofort an Bäume und Pflanzen
denken.
Die
Mitglieder der Konvention über Biodiversität werden vom 18.
bis 29. Oktober zu ihrer zehnten Vertragsstaatenkonferenz
(COP10) an der japanischen Pazifikküste zusammenkommen. Die
Konvention gehört wie die Klimaschutzkonvention (UNFCCC) zu
den Abkommen, die 1992 auf dem Weltgipfel über Umwelt und
Entwicklung in Rio de Janeiro verabschiedet wurden. Die
AEON-Stiftung entstand zwei Jahre vor dem Gipfeltreffen in
Brasilien.
Im
übertragenen Sinn bedeutet 'Midori' auch Umwelt. "Das Wort
ist eng verbunden mit unseren kontinuierlichen
Pflanzaktionen. Wir haben den Preis unserer Stiftung danach
benannt, weil wir hoffen, dass solche Handlungen 'Wurzeln
schlagen' und wie Bäume wachsen", sagte der AEON-Gründer
Takuya Okada.
Biodiversität in Gefahr
"Die
Verhinderung der globalen Erderwärmung und der Erhalt der
Artenvielfalt sind weltweit als dringliche Probleme
anerkannt. 2010 ist das Jahr der Biodiversität. Die
AEON-Umweltstiftung will nun weiterhin dazu beitragen,
unseren unersetzlichen Planeten zu erhalten", erklärte
Okada.
Die
Stiftung, deren Name im Griechischen 'Leben' und Sein'
bedeutet, wurde aus dem Bewusstsein heraus gegründet, dass
"die Natur eine Krise durchlebt. Die Ozonschicht wird
zerstört, der Treibhauseffekt nimmt zu, die Wälder
verschwinden rapide, die Wüstenbildung schreitet fort und
die Meere werden zunehmend verschmutzt", heißt es in der
Satzung.
Diese
Gedanken gaben Okada, den Gründer der 'Japan United Stores
Company' (Jusco), den Anstoß zum Handeln. "Er wollte etwas
für die Gesellschaft tun", sagte Yoshe Kan-o, die
Generalsekretärin der Stiftung, im Gespräch mit IDN.
Jusco war
1969 aus dem Zusammenschluss von drei Unternehmen – Okadaya,
Futagi und Shiro – hervorgegangen. 2001 wurde der Konzern
offiziell in AEON Co umbenannt, nachdem er zum größten
Einzelhändler Japans aufgestiegen war. Zurzeit kontrolliert
AEON 4000 Geschäfte in aller Welt und besitzt auch Anteile
an der britischen Marke 'Laura Ashley'.
Wie Kan-o
erklärte, wollte Okada nicht nur Profit machen und
Dividenden an die Aktionäre auszahlen. Er sei auch der
Überzeugung, dass die Bevölkerung etwas von den Gewinnen
haben solle.
Das
20jährige Bestehen von Jusco fiel zusammen mit
weltbewegenden Ereignissen wie dem Fall der Berliner Mauer.
"Um unserer Verantwortung gerecht zu werden, wollte Okada
die Nord-Süd-Frage als wichtige Herausforderung für das 21.
Jahrhundert in den Vordergrund stellen", sagte Kan-o. "Von
da aus kamen zu dem Schlüsselwort 'Umwelt'."
Okada
gründete daraufhin die Vereinigung 'AEON 1% Club', die
Unternehmen des Konzerns dazu bewegen sollte, ein Prozent
ihres Gewinnes vor Steuern für wohltätige Zwecken zur
Verfügung zu stellen, um die sozialen Projekte der Stiftung
zu finanzieren. Dank der großen Unterstützung durch die
Firmen kann sich die Vereinigung auf Aktivitäten im Bereich
des Umweltschutzes, des interkulturellen Austausches und der
Wiederbelebung lokaler Kultiren konzentrieren.
Ein Jahr
später gründete Okada die AEON-Umweltstiftung, in die er
seine Aktien als Grundkapital einbrachte. Inzwischen umfasst
das Kapital der Stiftung 420 Millionen Yen (etwa €3,7
Millionen). "So lange der AEON-Konzern wächst, kann unsere
Stiftung ihre Projekte weiterführen und ausweiten", sagte
Kan-o. Seit 2008 steht Okada nur noch an der Spitze der
Stiftung und hat alle anderen Ämter niedergelegt.
Jugendaustausch gefördert
2009 rief
'AEON 1% Club' ein neues Projekt namens 'AEON Umweltschule'
ins Leben. Daraus entstand ein Forum, auf dem die
Bevölkerung sich über Umweltschutz informieren kann. Laut
seinem Vorsitzenden Akihiko Harada unterstützt der 'AEON 1%
Club' außerdem die Gründung von Schulen in mehreren
asiatischen Staaten. Das 'Teenage Ambassador Program' will
außerdem den Austausch zwischen Jugendlichen in Japan und
Altersgenossen in anderen Ländern fördern.
Die 'AEON
Eco Tour Germany' bringt alljährlich junge Leute aus Japan
und Deutschland zusammen. Jugendliche, die sich besonders
für den Umweltschutz eingesetzt haben, werden für ihr
Engagement ausgezeichnet. Das Projekt regt zum Nachdenken
über den Naturschutz an und schafft ein neue Generation
umweltbewusster Bürger. Die Kinder und Jugendlichen besuchen
Schulen, Naturschutzgebiete und sind in Familien eingeladen.
Der 'AEON
1% Club' bescheinigt Deutschland eine weltweite
Vorreiterrolle in Sachen Umweltschutz. An dem
Austauschprogramm haben seit 2003 insgesamt 316 japanische
Grundschüler und Gymnasiasten teilgenommen. Seit 2004/05
veröffentlicht der AEON-Konzern Berichte zur sozialen
Verantwortung des Unternehmens.
Jeder
Elfte des Monats ist AEON-Tag. Kunden der Geschäfte erhalten
gelbe Quittungen, die sie in Kästen einwerfen können, die
die Namen verschiedener gemeinnütziger Organisationen
tragen. Nach sechs Monaten werden die Beträge auf den
Quittungen zusammengerechnet. Ein Prozent der Summe wird den
jeweiligen NGOs gespendet, die damit Anschaffungen tätigen
können. Die Kunden haben somit die Möglichkeit, über die
Verteilung der Gelder mitzubestimmen.
"Bis
jetzt sind durch dieses Programm Spenden von rund einer
Million Yen zusammengekommen", berichtete Kan-o. Die Idee
stamme ursprünglich von der südkoreanischen Supermarktkette
'E-mart'. Ihrer Kenntnis nach führe AEON dieses Programm
bislang als Einziger in Japan durch.
Der
Konzern veranstaltet außerdem 'Baumpflanzfestivals', bei
denen Bürger gemeinsam mit AEON-Angestellten Setzlinge an
Baustellen für neue Kaufhäuser einpflanzen können. Erstmals
wurden 1991 Bäume in der malaysischen Stadt Melaka
gepflanzt. In Japan wurde ein Jahr später das Areal des
neuen Einkaufszentrums in der Präfektur Mie begrünt. Die
Okada-Familie stammt aus dieser Gegend. Auch rund um die
größte Shopping-Mall in der Präfektur Saitama stehen
inzwischen Bäume.
"Anlässlich der Eröffnung neuer Einkaufszentren ist Okada
häufig quer durch das Land gefahren", berichtet Kan-o. "Die
Landschaft am Japanischen Meer hat sich in den letzten 12
bis 13 Jahren deutlich verändert. Im Winter wurden viele
Bäume auf einmal braun und starben."
Japan und
China beraten über Umweltschutz
Okama
habe vermutet, dass Schwefeldioxid das Problem sei, sagte
sie. Alle vermuteten, dass China die Umweltverschmutzung
verursache. "Eine Lösung konnte offensichtlich nur in
Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern gefunden werden", so
Kan-o. Daher habe die AEON-Stiftung 1993, 1995 und 1997 ein
Japanisch-chinesisches Symposium über Umweltfragen
abgehalten.
Dank der Unterstützung des Chinesischen
Umweltinstituts nahmen viele Wissenschaftler an der
Konferenz teil. Sie richteten eine Plattform ein, auf der
über unterschiedliche Umweltfragen diskutiert werden konnte.
In diesem Zusammenhang schlug die AEON-Stiftung vor, Bäume
an der Chinesischen Mauer zu pflanzen. (Deutsche
Übersetzung: Corina Kolbe | Oktober 2010)
*Dieser Beitrag – eine gemeinsame Produktion von IPS Japan,
IDN-InDepthNews, Global Perspectives und Global Cooperation
Council – ist der vierte einer Serie über 'Corporate Social
Responsibility' aber der erste zum Thema 'Einzelhandel und
Umweltschutz'. Die vorigen Beiträge können im Internet von
der Seite
http://www.csr.ipsnews.de heruntergeladen werden.
Links:
http://www.aeon.info/ef/en/index.html
http://www.cbd.int/cop10/
http://www.indepthnews.net/news/news.php?key1=2010-09-05%2002:22:19&key2=1

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