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Corporate Social Responsibility 2010




 

 












Eigenverantwortung wecken – Japanischer Firmenchef setzt auf Dialog mit Beschäftigten

 

Von Taro Ichikawa

Tokio (IDN*) – Als Chef eines Familienunternehmens in Mitaka in der japanischen Präfektur Tokio übt Masashi Takeuchi einen verantwortungsvollen Job aus. Er schätzt den offenen Dialog mit seinen Angestellten und will sie durch einen regelmäßigen Informationsaustausch stärker an die Firma binden.

 

Gern erinnert sich der Japaner noch an frühere Jahre zurück, in denen er in der brasilianischen Metropole São Paulo als Zeitungsreporter arbeitete. "Mein Leben war damals aufregend, weil alles, was ich schrieb, am nächsten Tag in der Zeitung stand", erzählt der Vorsitzende der Transport- und Logistikfirma Takeuchi Unyu Kogyo. "Ich hatte dabei immer das Gefühl, etwas geschafft zu haben."

 

Als Masashi nach Japan zurückkehrte, hoffte er auf einen raschen Aufstieg im Management des traditionsreichen Familienunternehmens. Weit gefehlt -- denn sein Vater ließ ihn das Handwerk erst einmal von der Pike auf lernen. Während seiner Stationen in einem Lagerhaus und im Frachtbetrieb musste er unter anderem Kisten bauen, Toiletten reinigen und Reparaturen vornehmen.

 

"Mit dem Leben am unteren Ende der Leiter wurde ich damals nur schwer fertig", gesteht Masashi, der das Unternehmen inzwischen in dritter Generation leitet. Nach einem halben Jahr stand dennoch sein Entschluss fest, künftig im Familienbetrieb zu arbeiten. Er fuhr zwar noch einmal nach Brasilien, fühlte sich dort aber fremd, wie ein Tourist. Seinem Vater ist er für die harte Lehrzeit inzwischen dankbar: "Ein Chef muss schließlich alle Arbeitsbereiche kennen."

 

Im Alter von 45 Jahren löste Masashi im Jahr 2000 seinen Vater Kiyoshi Takeuchi an der Spitze des Unternehmens ab. Sein Großvater Seitaro Takeuchi, der die Firma gegründet hatte, war 1984 gestorben. Kurz nach der Übernahme seines neuen Amtes musste Masashi bereits eine große Herausforderung meistern.

 

Globalisierung macht Umdenken nötig

 

Die neue Führung des angeschlagenen Automobilkonzerns Nissan, mit dem die Firma zusammenarbeitete, schlug einen harten Sparkurs ein. Eine Textilfabrik in Mitaka, für die Takeuchi Unyu Kogyo als Dienstleister tätig war, wurde daraufhin abgerissen. Eine andere Produktionsstätte, für deren Wartung Masashis Unternehmen verantwortlich war, verlagerte ihren Standort. Eine weitere Fabrik, mit der die Firma seit 1961 zusammenarbeitete, musste schließen.

 

Masashis Vater erkannte, dass die Geschäftsbeziehungen zu Nissan ihrem Ende zugingen. Sein Sohn meint heute, dass er ihm die Umstrukturierungsmaßnahmen des Autokonzerns wichtige Einsichten beschert hätten. "Selbst eine kleine Firma wie unsere muss angesichts der Globalisierung neue Werte und neue Regelungen akzeptieren, um zu überleben", sagt er. Damals habe er eingesehen, dass er sich nicht an die neuen Umstände gewöhnen würde, solange er an seinen alten Überzeugungen festhielte.

 

Trotz aller Schwierigkeiten gelang es Masashi, die Beziehungen zu Nissan zumindest teilweise aufrecht zu erhalten. So erhielt seine Firma den Auftrag, Autoteile zu transportieren. Mit dem Nachfolger der Nissan-Luftfahrtsparte, IHI Aerospace, kam er überein, Wartungs- und Reparaturarbeiten in der Fabrik zu übernehmen. Nahe dem Firmensitz seines neuen Kunden eröffnete Masashi ein weiteres Büro.

 

Auch im Vertriebssektor fanden sich neue Geschäftspartner, unter anderem aus der Pharmaindustrie. Takeuchi Unyu Kogyo wagte größere Investitionen und eröffnete zwei neue Logistkzentren. Das zweite Zentrum in der Stadt Tokorozawa wurde 2001 eröffnet, als Masashi bereits auf dem Chefsessel saß. Für einen Pharmakunden, der mehrere Filialen in Tokio und den umliegenden Präfekturen eröffnete, koordinierte das Familienunternehmen fortan den gesamten Logistikbereich. Die Firma war fortan nicht mehr in erster Linie von der Autobranche abhängig und befreite sich aus den konventionellen Management-Strukturen der Nissan-Zeit.

 

Masashi ordnete außerdem den Finanzsektor des Unternehmens neu, um die Geschäfte den Anforderungen einer globalisierten Wirtschaft anzupassen. Damit wurden auch interne Einsparungen notwendig. Masashi betont jedoch, dass er sich selbst in den schwierigen Zeiten der Nissan-Umstrukturierung darum bemühte hatte, möglichst keine Beschäftigten zu entlassen.

 

Geschäftsabläufe für Angestellte transparent

 

Als die Logistiksparte des Unternehmens wuchs, beantragte Masashi erfolgreich eine ISO9001-Zertifizierung, die Normen für ein Qualitätsmanagement beinhaltet. Damit sollte die Kommunikation innerhalb des Betriebs und das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Belegschaft gestärkt werden. Masashi gab den Angestellten monatliche Rechenschaftsberichte über die Buchhaltung ab und förderte den Informationsaustausch zwischen den unterschiedlichen Abteilungen. Die Beschäftigten entwickelten dadurch einen größeren Sinn für Eigenverantwortung.

 

Größtmögliche Sicherheit bei den Arbeitsabläufen spielt für Masashi, der auch Vizevorsitzender des Fernfahrerverbandes in Tokio ist, ebenfalls eine wichtige Rolle. "Ein Transportunternehmen muss vor allem darauf achten, Verkehrsunfälle zu vermeiden", erklärt er. Nach betriebsinternen Beratungen wurden alle 30 Lastwagen mit einem rückwärtigen Monitor und einem Fahrtenschreiber ausgestattet. Damit sollen Unfälle durch menschliches Versagen so weit wie möglich ausgeschlossen werden. Und sollte ein Fahrer ohne eigenes Verschulden einen Unfall bauen, kann er laut Masashi sicher sein, dass die Firma zu hundert Prozent hinter ihm steht. (Deutsche Übersetzung: Corina Kolbe | März 2011)

 

*Dieser Beitrag -- eine gemeinsame Produktion von IPS Japan, IDN-InDepthNews, Global Perspectives und Global Cooperation Council -- ist der sechste einer Serie über 'Corporate Social Responsibility'. Die vorigen Beiträge können im Internet von der Seite http://www.csr.ipsnews.de heruntergeladen werden.

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