|
Für 'Chiyoda Unyu' ist soziale Verantwortlichkeit mehr als
ein Schlagwort

Von Taro
Ichikawa
TOKIO
(IDN*) – Für Isao Mizuno ist soziale Verantwortlichkeit ein
Gebot. Mizuno ist Präsident des im Westen der japanischen
Hauptstadt Tokio angesiedelten Transportunternehmens
'Chiyoda Unyu', das 95 Mitarbeiter beschäftigt.
Seit
2002 unterstützt die Firma ein Aufforstungsprojekt der
japanischen Nichtregierungsorganisation (NGO) im 5.100
Kilometer entfernten Nepal. Die Arbeiter von Chiyoda Unyu
sammeln für ein lokales Recyclingunternehmen leere
Milchpackungen. Der Erlös kommt dem NGO-Programm am Fuße des
Himalayas zugute.
Isao
Mizuno war 33 Jahre alt, als er den Betrieb seines Vaters
übernahm, der das Unternehmen 1953 gegründet hatte und bis
zu seinem Tod 1986 führte. Chiyoda Unyu sorgt für den
Transport von Schwerlastern, Pkws und Haushaltsgütern. Auch
managt die Firma Logistikzentren und Autoersatzteillager.
Bevor
Isao Mizuno in die Fußstapfen seines Vaters trat, hatte er
1975 sein Wirtschaftsstudium an der Keio-Universität
abgeschlossen. Damals befand sich Japan in einer schweren
Depression, die durch die internationale Ölkrise ausgelöst
worden war.
Nach
einem weiteren Studienjahr trat Isao Mizuno in die Firma Ito
Yokado ein. Sechs Jahre lang war er für das
Einzelhandelsunternehmen tätig – zwei Jahre lang als
Sekretär des Firmengründers. Danach wechselte Isao zu 'Hino
Motors', wo er vier Jahre lang Erfahrungen als
Verkaufsmanager der Automobilbranche sammelte. Die Kontakte
aus dieser Zeit sollten sich später, als er in den Betrieb
seines Vaters einstieg, auszahlen.
Drei
Jahre nach der Gründung von 'Mizuno Rikuso', wie das
Unternehmen ursprünglich hieß, ging der Betrieb eine
Partnerschaft mit Hino Motors ein und nannte sich fortan
Chiyoda Unyu. Der Vertrag mit dem Automobilhersteller
ermöglichte der Firma, sich zu konsolidieren und sich als
feste Größe im japanischen Transportsektor zu etablieren.
Dass Chiyoda Unyu 1990 seinen 500. Lastwagen von Hino Motors
erwarb, würdigte das Partnerunternehmen mit einem Festakt.
Sicherheit zuerst
Isao lag
stets das Wohlergehen und die Sicherheit seiner Mitarbeiter
am Herzen. "Ich bin der Meinung, dass ein Unternehmen keine
Kosten und Mühen scheuen sollte, um die Beschäftigten vor
der Gefahr menschlichen Versagens zu schützen",
unterstreicht der Firmenchef.
Das
Fehlverhalten des Tokioter Energieunternehmens TEPCO im
Zusammenhang mit der Atomkatastrophe in Fukushima habe ihn
in seiner Haltung nur noch bestärkt. "Wenn es um die
Sicherheit geht, kann nie genug getan werden", sagt er. "Denn
kommt es zu einem Unfall, ist der gute Ruf dahin."
Wie der
58-Jährige betont, sind die firmeneigenen Fahrzeuge
Transporter teuer. "Unabhängig davon, dass wir gegen
Schäden versichert sind, kann ein Unfall enorme Kosten
verursachen", sagt er. Immerhin werden Schwertransporter zu
einem Stückpreis von umgerechnet bis zu 616.000 Euro
gehandelt.
Isao
Mizuno ist ein regelrechter Fan von Sicherheitsrekordern. Da
die Geräte mit GPS ausgestattet sind, lässt sich
nachvollziehen, wo Fahrer in welcher Geschwindigkeit
unterwegs sind. Gegenüber Fahrtenschreibern haben sie den
Vorzug, dass sie den Fahrstil der Mitarbeiter über ein
Punktesystem bewerten. Auch wenn die Geräte eine
kostspielige Investition sind, kaufte der Unternehmer 440
Stück.
Auch
bietet Chiyoda Unyu Anreize für einen umsichtigen Fahrstil
seines Personals. Jeden Monat werden die Fahrer mit der
höchsten Punktzahl am schwarzen Brett namentlich aufgeführt,
alle sechs Monate mit Zertifikaten und Preisen belohnt.
Zunächst
hatten sich die Mitarbeiter gegen die Einführung der
Sicherheitsrekorder gestemmt. Doch der Firmenchef, überzeugt,
dass die Geräte zu einer Verringerung der Verkehrsunfälle
führen werden, blieb hart. Als dann einige Fahrer sogar
Höchstpunkte auf Langstrecken etwa von Tokio nach Hiroschima
(700 Kilometer) erzielten, war Isao zufolge der Bann
gebrochen. Ab diesem Zeitpunkt hätten die anderen
Mitarbeiter versucht, mit ihren besonders fahrtüchtigen
Kollegen gleichzuziehen.
Isao
Mizuno gab sich mit dem Erfolg jedoch noch lange nicht
zufrieden. So führte er digitale Alkoholkontrollsysteme ein.
Die Testergebnisse, etwa über die Höhe des Blutdrucks der
Fahrer, können Online eingesehen werden.
Guter
Ruf hat einen Preis
Gerade
die digitalen Alkoholtests kosten das Unternehmen ein
Vermögen, wie der Unternehmer erklärt. "Doch jede
Investition, die die Unfallgefahr senkt, unsere Fahrer
schützt und somit unserem guten Ruf bewahrt, ist eine gute
Investition." Chiyoda Unyu wurde drei Mal nach ISO 14001
zertifiziert, einer international anerkannten Norm, die
Bewertungsmaßstäbe des betrieblichen Umweltschutzes setzt.
Chiyoda
Unyu war das erste Unternehmen im Lande, das den
Massentransport von Großlastern und Pkws durchführte. Der
Boom der japanischen Automobilproduktion Anfang der 1960er
Jahre machte eine Aufrüstung der Transportsysteme
erforderlich. Mit der Zeit wurden die Sattelschlepper immer
größer, und Japans Transportunternehmen einschließlich
Chiyoda Unyu stellten auf gigantische Anhänger um.
Die
japanische Eisenbahn führte Doppeldecker-Ladesysteme ein,
die 1965 erstmals den Transport von zwölf Autos ermöglichten.
Schiffsunternehmen ließen spezielle Frachtcontainer für den
Autotransport bauen.
1972
erkannte Chiyoda Unyu, dass das Auftragsvolumen von Hino
Motors seine Kapazitäten bei weitem überstieg. So ging das
Unternehmen dazu über, einen Teil der Hino-Fahrzeuge zu
verschiffen. Chiyoda Unyu arbeitet mit 15 Reedern zusammen,
die monatlich 5.000 Fahrzeuge transportieren.
Isao
Mizuno legt nicht nur großen Wert auf die Sicherheit seiner
Mitarbeiter. Er sucht auch die Kommunikation mit ihnen. So
veranstaltet er Grillpartys und eine Feier zum Ende des
Jahres, zu denen auch die Familien der Fahrer eingeladen
werden. Seit 20 Jahren lädt er Studenten zu Gesprächskreisen
ein, um sie über die sozialen Aspekte seines Unternehmens zu
informieren.
Auch
beteiligt sich das Unternehmen aktiv am alljährlichen
Frühjahresfest um den Hino-Stadtpark in Tokio. Es stellt
einen Laster für den Verkauf von Schuhen zur Verfügung und
Container für entzündliche und nicht entzündliche Stoffe,
Dosen, Glas- und Plastikflaschen auf. Zudem ist das
Unternehmen auf dem Kirschblütenfest auf dem Gelände der
Hino Motors-Fabrik mit einem Schuh- und Nudelstand vertreten.
*Dieser Beitrag -- eine gemeinsame Produktion von IPS Japan,
IDN-InDepthNews, Global Perspectives und Global Cooperation
Council -- ist der achte einer Serie über 'Corporate
Social Responsibility'. Die vorigen Beiträge können im
Internet von der Seite
http://www.csr.ipsnews.de heruntergeladen werden.
 |