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Corporate Social Responsibility 2010




 

 












Junger japanischer Transportunternehmer betreibt auch Öko-Gemüsezucht


Von Taro Ichikawa

Tokio (IDN*) – "Ganz gleich, wie weit die Zivilisation vorangekommen ist – wir können den menschlichen Geist nicht mechanisch bewegen", sagt Tsuneyoshi Sakuma mit philosophischem Unterton. "Wenn wir Güter mit unserem ganzen Herzen befördern, bewegen wir auch die Gedanken unserer Kunden sicher und erfüllen ihre Erwartungen."

 

Der Chef des japanischen Speditionsunternehmens 'Shoun Service' steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden und hat zugleich Visionen für die Zukunft. Die Firma mit 40 Beschäftigten verfügt über 38 Fahrzeuge, die Konsumgüter und Industrieabfälle transportieren. 'Shoun Service' kümmert sich auch die Verpackung der Waren, stellt Lagerräume bereit und betreibt nebenbei noch kommerziellen ökologischen Gemüseanbau und lässt seine Mitarbeiter Baumsetzlinge aus Eicheln ziehen.

 

Als Sakuma 22 Jahre alt war, übernahm er aufgrund einer schweren Krankheit seines Vaters das Familienunternehmen. Der Anfang war für ihn nicht leicht, doch es gelang ihm schließlich, sich in der rauen Welt der LKW-Fahrer zu behaupten. Nach dem Tod des Vaters 2004 wurde Sakuma Präsident der Firma.

 

Auch die Mutter ist inzwischen gestorben, nachdem sie 14 Jahre alt lang gegen ein Lungenkrebsleiden gekämpft hatte. "Ich habe das Glück, bei guter Gesundheit zu sein und für das Unternehmen zu arbeiten, das ich von meinem Vater geerbt habe", bekennt Sakuma, der mit seinen Angestellten hervorragend zurechtkommt.

 

Wie ihr Chef, fühlen sich auch die Arbeiter und die Verwaltungsmitarbeiter der Firma und ihren sozialen Idealen tief verpflichtet. Dank dieser kollektiven Unterstützung konnte das Unternehmen expandieren und seinen Kundenstamm erweitern. 'Shoun Service' arbeitet mittlerweile mit renommierten Partnern wie der japanischen Einsenbahn, dem Wako-Kaufhaus in dem schicken Tokioter Viertel Ginza und dem Zuckerbäcker 'Mon Chou Chou', der die beliebte 'Dojima roll', eine Art Baumkuchen, herstellt.

 

'G Mark'-Preis für vorbildliche Dienstleistungen

 

Für die Qualität ihrer Dienstleistungen wurde Sakumas Firma 2008 mit dem prestigeträchtigen 'Good Design Award' (G Mark) ausgezeichnet. Gewürdigt wurden das gute Betriebsklima, die stete Sicherheitsüberprüfung der Fahrzeuge und die Kontrolle von Geschwindigkeitsbegrenzungen durch Fahrtenschreiber. 'Shoun Service' ist auch Mitglied eines landesweiten Netzwerks von Umzugsunternehmen mit etwa 430 Standorten.

 

Umweltschutz ist dem Firmenchef ebenfalls wichtig. 'Shoun Service' gehört dem 'Green Eco'-Projekt der Vereinigung von Spediteuren in Tokio an. Damit werden eine effizientere Nutzung von Treibstoff und die Verringerung von CO2-Emissionen angestrebt. Jeder Fahrer steckt sein eigenes Ziel ab und überprüft mit dem Fahrtenschreiber, ob er diese Marke tatsächlich erreicht.

 

Sakuma ist nicht nur in seiner Firma aktiv. Innerhalb des Tokioter Spediteursverband leitet er auch die Abteilung für junge Unternehmer der 'Kanto Trucking Association' – einer regionalen Vereinigung, die in Tokio und sieben angrenzenden Präfekturen tätig ist. Außerdem bildet er landesweit Nachwuchsmanager in der Logistikindustrie aus.

 

Bei seinen häufigen Reisen durch Japan hat Sakuma festgestellt, dass die Transportbranche in Tokio trotz der anhaltenden Wirtschaftskrise bessere Geschäfte macht als die Firmen in anderen japanischen Städten. Er zeigte sich zugleich darüber besorgt, dass außerhalb der Hauptstadt nur wenige junge Leute an die Spitze solcher Unternehmen rückten.

 

"Das Durchschnittsalter liegt bei Ende 50", bedauerte er im Gespräch mit dem Informationsdienst IDN. In dem Spediteursverband in Tokio sind immerhin 507 jüngere Mitglieder organisiert. Sakuma erklärte, dass er viele von ihnen bereits dazu motivieren konnte, an Informationsveranstaltungen und anderen Zusammenkünften teilzunehmen.

 

Verkehrserziehung für Grundschüler

 

Erfolg hatte Sakuma auch mit einem Vorschlag, Grundschülern ein Verkehrssicherheitstraining anzubieten. Nachdem sich die Schule zunächst weigerte, Laster auf das Gelände zu lassen, erhielt er von Lehrern und Eltern den nötigen Rückhalt. Auch die Polizei am Ort unterstützte das Projekt. Ein solcher Unterricht konnte daraufhin auch an anderen Schulen stattfinden.

 

Im November 2009 wurde 'Shoun Service' dafür von der Polizeibehörde in Shakuji im Großraum Tokio gelobt. Sakuma überlegt nun, landesweit Verkehrserziehung für Kinder anzubieten. Der 9. Oktober wurde inzwischen zum nationalen 'Tag des Lastwagens' erklärt.

 

Der Präsident von 'Shoun Service' will außerdem erreichen, dass LKW-Fahrer den gleichen sozialen Status genießen wie Piloten und Schiffskapitäne. Die Fahrer seien immerhin das Rückgrat des Straßentransports, der für die Industriegesellschaft unverzichtbar sei. Sakuma hofft, dass dieses Ziel vor allem mit Hilfe der jungen Kollegen erreicht werden kann.

 

"Jeder von uns sollte sich an die Zeit erinnern, als er mit seinen eigenen Träumen in die Transportbranche eingestiegen ist", erklärt Sakuma. Anschluss an die Zukunft zu suchen, bedeute, sich mit der nächsten Generation zusammenzutun. Auf diesem Weg müsse man auf den wertvollen Beziehungen aufbauen, die die Vorgänger in dem Spediteursverband geschaffen hätten.

 

Mitarbeiter und Anwohner sollen Eichen pflanzen

 

Um weitere Unterstützung zu finden, rief Sakuma auch ein kostengünstiges Umweltschutzprojekt ins Leben. Gemeinsam mit Anwohnern sammeln die Beschäftigten von 'Shoun Service' Eicheln, um daraus Setzlinge zu ziehen und schließlich Bäumchen zu pflanzen. Bislang sind fast 1.900 Eicheln zusammengebracht worden.

 

Es sei einfach, diese Initiative fortzusetzen, meint Sakuma. Jeder könne in seiner Freizeit Eicheln aufsammeln, etwa wenn er auf den Golfplatz oder in den Bergen wandern gehe. Am 'Tag des Lastwagens' könne die Aktion als Projekt für soziale Unternehmensverantwortung vorgestellt werden.

 

Seit dem vergangenen November investiert Sakuma überdies in den Anbau und die Verarbeitung von Gemüse. "Wir haben in Nirasaki in der Provinz Yamanashi einen Betrieb eröffnet, der mit der 'Agri Fresh Company' zusammenarbeitet", berichtet er. Diese Firma habe gemeinsam mit der Tamagawa-Universität eine innovative Technologie entwickelt. Dieser Partner verwalte nun den Betrieb und vermarkte die Produkte, die von 'Shoun Service' zu den Kunden befördert würden.

 

In der Anlage wird Gemüse das gesamte Jahr über ohne Einsatz von Pestiziden angebaut. Laut Sakuma sind die Ernteerträge höher als beim herkömmlichen Anbau unter freiem Himmel. Das Gemüse könne in dem Betrieb unabhängig von Wetter, Jahreszeit und Bodenbeschaffenheit reifen.

 

Gemüseanbau soll auch LKW-Fahrern Arbeit sichern

 

"Wir pflanzen beispielsweise Basilikum an und verkaufen es in großen Mengen an Märkte. Malabar-Spinat (Basella alba) liefern wir außerdem an eine große japanische Franchiser-Kette, die Kaffee und italienische Speisen anbietet", erklärt Sakuma stolz. Malabar-Spinat, der als Blattgemüse verzehrt wird, ist kalorienarm und reich an Vitamin A, Vitamin C, Eisen und Kalzium.

 

Der Gemüseanbau ist für Sakuma nicht nur aus ökologischen Gründen wichtig. Er trage auch dazu bei, das Geschäftsfeld seines Unternehmens weiter auszubauen und damit die Arbeitsplätze sicherer zu machen. "Sollte sich die Wirtschaftslage verschlechtern und Jobs für LKW-Fahrer abgebaut werden müssen, kann ich die Leute immer noch in der Gemüsezucht beschäftigen." (Deutsche Übersetzung: Corina Kolbe | Juni 2011)

 

*Dieser Beitrag -- eine gemeinsame Produktion von IPS Japan, IDN-InDepthNews, Global Perspectives und Global Cooperation Council -- ist der siebte einer Serie über 'Corporate Social Responsibility'. Die vorigen Beiträge können im Internet von der Seite http://www.csr.ipsnews.de heruntergeladen werden.
 

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