Junger japanischer Transportunternehmer betreibt auch
Öko-Gemüsezucht

Von Taro
Ichikawa
Tokio
(IDN*) –
"Ganz gleich, wie weit die Zivilisation vorangekommen ist –
wir können den menschlichen Geist nicht mechanisch bewegen",
sagt Tsuneyoshi Sakuma mit philosophischem Unterton. "Wenn
wir Güter mit unserem ganzen Herzen befördern, bewegen wir
auch die Gedanken unserer Kunden sicher und erfüllen ihre
Erwartungen."
Der Chef des japanischen Speditionsunternehmens 'Shoun
Service' steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden und hat
zugleich Visionen für die Zukunft. Die Firma mit 40
Beschäftigten verfügt über 38 Fahrzeuge, die Konsumgüter und
Industrieabfälle transportieren. 'Shoun Service' kümmert
sich auch die Verpackung der Waren, stellt Lagerräume bereit
und betreibt nebenbei noch kommerziellen ökologischen
Gemüseanbau und lässt seine Mitarbeiter Baumsetzlinge aus
Eicheln ziehen.
Als Sakuma 22 Jahre alt war, übernahm er aufgrund einer
schweren Krankheit seines Vaters das Familienunternehmen.
Der Anfang war für ihn nicht leicht, doch es gelang ihm
schließlich, sich in der rauen Welt der LKW-Fahrer zu
behaupten. Nach dem Tod des Vaters 2004 wurde Sakuma
Präsident der Firma.
Auch die Mutter ist inzwischen gestorben, nachdem sie 14
Jahre alt lang gegen ein Lungenkrebsleiden gekämpft hatte.
"Ich habe das Glück, bei guter Gesundheit zu sein und für
das Unternehmen zu arbeiten, das ich von meinem Vater geerbt
habe", bekennt Sakuma, der mit seinen Angestellten
hervorragend zurechtkommt.
Wie ihr Chef, fühlen sich auch die Arbeiter und die
Verwaltungsmitarbeiter der Firma und ihren sozialen Idealen
tief verpflichtet. Dank dieser kollektiven Unterstützung
konnte das Unternehmen expandieren und seinen Kundenstamm
erweitern. 'Shoun Service' arbeitet mittlerweile mit
renommierten Partnern wie der japanischen Einsenbahn, dem
Wako-Kaufhaus in dem schicken Tokioter Viertel Ginza und dem
Zuckerbäcker 'Mon Chou Chou', der die beliebte 'Dojima
roll', eine Art Baumkuchen, herstellt.
'G Mark'-Preis für vorbildliche Dienstleistungen
Für die Qualität ihrer Dienstleistungen wurde Sakumas Firma
2008 mit dem prestigeträchtigen 'Good Design Award' (G Mark)
ausgezeichnet. Gewürdigt wurden das gute Betriebsklima, die
stete Sicherheitsüberprüfung der Fahrzeuge und die Kontrolle
von Geschwindigkeitsbegrenzungen durch Fahrtenschreiber. 'Shoun
Service' ist auch Mitglied eines landesweiten Netzwerks von
Umzugsunternehmen mit etwa 430 Standorten.
Umweltschutz ist dem Firmenchef ebenfalls wichtig. 'Shoun
Service' gehört dem 'Green Eco'-Projekt der Vereinigung von
Spediteuren in Tokio an. Damit werden eine effizientere
Nutzung von Treibstoff und die Verringerung von
CO2-Emissionen angestrebt. Jeder Fahrer steckt sein eigenes
Ziel ab und überprüft mit dem Fahrtenschreiber, ob er diese
Marke tatsächlich erreicht.
Sakuma ist nicht nur in seiner Firma aktiv. Innerhalb des
Tokioter Spediteursverband leitet er auch die Abteilung für
junge Unternehmer der 'Kanto Trucking Association' – einer
regionalen Vereinigung, die in Tokio und sieben angrenzenden
Präfekturen tätig ist. Außerdem bildet er landesweit
Nachwuchsmanager in der Logistikindustrie aus.
Bei seinen häufigen Reisen durch Japan hat Sakuma
festgestellt, dass die Transportbranche in Tokio trotz der
anhaltenden Wirtschaftskrise bessere Geschäfte macht als die
Firmen in anderen japanischen Städten. Er zeigte sich
zugleich darüber besorgt, dass außerhalb der Hauptstadt nur
wenige junge Leute an die Spitze solcher Unternehmen
rückten.
"Das Durchschnittsalter liegt bei Ende 50", bedauerte er im
Gespräch mit dem Informationsdienst IDN. In dem
Spediteursverband in Tokio sind immerhin 507 jüngere
Mitglieder organisiert. Sakuma erklärte, dass er viele von
ihnen bereits dazu motivieren konnte, an
Informationsveranstaltungen und anderen Zusammenkünften
teilzunehmen.
Verkehrserziehung für Grundschüler
Erfolg hatte Sakuma auch mit einem Vorschlag, Grundschülern
ein Verkehrssicherheitstraining anzubieten. Nachdem sich die
Schule zunächst weigerte, Laster auf das Gelände zu lassen,
erhielt er von Lehrern und Eltern den nötigen Rückhalt. Auch
die Polizei am Ort unterstützte das Projekt. Ein solcher
Unterricht konnte daraufhin auch an anderen Schulen
stattfinden.
Im November 2009 wurde 'Shoun Service' dafür von der
Polizeibehörde in Shakuji im Großraum Tokio gelobt. Sakuma
überlegt nun, landesweit Verkehrserziehung für Kinder
anzubieten. Der 9. Oktober wurde inzwischen zum nationalen
'Tag des Lastwagens' erklärt.
Der Präsident von 'Shoun Service' will außerdem erreichen,
dass LKW-Fahrer den gleichen sozialen Status genießen wie
Piloten und Schiffskapitäne. Die Fahrer seien immerhin das
Rückgrat des Straßentransports, der für die
Industriegesellschaft unverzichtbar sei. Sakuma hofft, dass
dieses Ziel vor allem mit Hilfe der jungen Kollegen erreicht
werden kann.
"Jeder von uns sollte sich an die Zeit erinnern, als er mit
seinen eigenen Träumen in die Transportbranche eingestiegen
ist", erklärt Sakuma. Anschluss an die Zukunft zu suchen,
bedeute, sich mit der nächsten Generation zusammenzutun. Auf
diesem Weg müsse man auf den wertvollen Beziehungen
aufbauen, die die Vorgänger in dem Spediteursverband
geschaffen hätten.
Mitarbeiter und Anwohner sollen Eichen pflanzen
Um weitere Unterstützung zu finden, rief Sakuma auch ein
kostengünstiges Umweltschutzprojekt ins Leben. Gemeinsam mit
Anwohnern sammeln die Beschäftigten von 'Shoun Service'
Eicheln, um daraus Setzlinge zu ziehen und schließlich
Bäumchen zu pflanzen. Bislang sind fast 1.900 Eicheln
zusammengebracht worden.
Es sei einfach, diese Initiative fortzusetzen, meint Sakuma.
Jeder könne in seiner Freizeit Eicheln aufsammeln, etwa wenn
er auf den Golfplatz oder in den Bergen wandern gehe. Am
'Tag des Lastwagens' könne die Aktion als Projekt für
soziale Unternehmensverantwortung vorgestellt werden.
Seit dem vergangenen November investiert Sakuma überdies in
den Anbau und die Verarbeitung von Gemüse. "Wir haben in
Nirasaki in der Provinz Yamanashi einen Betrieb eröffnet,
der mit der 'Agri Fresh Company' zusammenarbeitet",
berichtet er. Diese Firma habe gemeinsam mit der
Tamagawa-Universität eine innovative Technologie entwickelt.
Dieser Partner verwalte nun den Betrieb und vermarkte die
Produkte, die von 'Shoun Service' zu den Kunden befördert
würden.
In der Anlage wird Gemüse das gesamte Jahr über ohne Einsatz
von Pestiziden angebaut. Laut Sakuma sind die Ernteerträge
höher als beim herkömmlichen Anbau unter freiem Himmel. Das
Gemüse könne in dem Betrieb unabhängig von Wetter,
Jahreszeit und Bodenbeschaffenheit reifen.
Gemüseanbau soll auch LKW-Fahrern Arbeit sichern
"Wir pflanzen beispielsweise Basilikum an und verkaufen es
in großen Mengen an Märkte. Malabar-Spinat (Basella alba)
liefern wir außerdem an eine große japanische
Franchiser-Kette, die Kaffee und italienische Speisen
anbietet", erklärt Sakuma stolz. Malabar-Spinat, der als
Blattgemüse verzehrt wird, ist kalorienarm und reich an
Vitamin A, Vitamin C, Eisen und Kalzium.
Der Gemüseanbau ist für Sakuma nicht nur aus ökologischen
Gründen wichtig. Er trage auch dazu bei, das Geschäftsfeld
seines Unternehmens weiter auszubauen und damit die
Arbeitsplätze sicherer zu machen. "Sollte sich die
Wirtschaftslage verschlechtern und Jobs für LKW-Fahrer
abgebaut werden müssen, kann ich die Leute immer noch in der
Gemüsezucht beschäftigen."
(Deutsche Übersetzung: Corina Kolbe | Juni 2011)
*Dieser Beitrag -- eine gemeinsame Produktion von IPS Japan,
IDN-InDepthNews, Global Perspectives und Global Cooperation
Council -- ist der siebte einer Serie über 'Corporate
Social Responsibility'. Die vorigen Beiträge können im
Internet von der Seite
http://www.csr.ipsnews.de heruntergeladen werden.

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