Mit Ökologie im Beutel des Kängurus
Bild: Junichi Nagai
Von Taro Ichikawa
Tokio (IDN*) – So sicher wie im Beutel der Kängurus, in denen die Jungtiere heranwachsen, befördern die Lastwagenfahrer des legendären Konzerns 'Nagai Transportation Company' (NTC) ihre Fracht zu ihrem Bestimmungsort. Kein Wunder also, dass der Konzern, der in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen feiert, ein Känguru in seinem Logo führt.
"Unser Lohn ist das Vertrauen. Wir beladen unsere Laster mit Dankbarkeit (den Kunden gegenüber) und transportieren die Sicherheit und Zukunft des Planeten", erklärt Junichi Nagai, Sohn von Kazumi Nagai, der die Firma nach dem zweiten Weltkrieg in Minato-ku, einem der 23 Bezirke Tokios, gegründet hatte.
Minato ist zusammen mit den beiden Bezirken Chiyoda und Chuo die Geburtsstätte der japanischen Lkw-Transportindustrie nach dem zweiten Weltkrieg, der für Japan mit der Kapitulation am 2. September 1945 im Anschluss an die US-Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki (6. und 9. August 1945) zu Ende ging.
"Als ehemaliger Militäroffizier wusste mein Vater um die Bedeutung von Logistik und entschloss sich nach Kriegsende zum Aufbau eines Transportunternehmens", berichtet der in die Jahre gekommene Sohn, der in Minato die größte Niederlassung des Konzerns und einflussreichste Mitgliedsfirma der 'Tokyo Truck Association' führt, die wiederum der größte Zweig der 'Japan Truck Association' ist.
Als junger Mann trug Junichi Nagai zum Aufbau einer Jugendabteilung des Verbands bei, der er sukzessive als Vizechef vorstand. Inzwischen gibt es in allen japanischen Präfekturen Jugendabteilungen. "Doch wir waren die ersten. Wir nahmen damals an zahlreichen Untersuchungen über Transport und öffentliche Sicherheit und an Freiwilligen-Einsätzen teil." Nach dem großen Erdbeben in Kobe 1995 lieferte die von Junichi Nagai geführte Jugendabteilung im Rahmen von Nottransporten Wasser, Zelte und andere dringend benötigte Güter in die Krisengebiete.
Firmengründer Kazumi Nagai hatte die japanische Bevölkerung nach Kriegsende mit den damals besonders begehrten Gütern wie Kaugummi, Alkohol und Kerzen versorgt. 1953 erwarb er eine Transportlizenz und startete die NTC mit drei Lastern. Vier Jahre lieferte das Unternehmen die Zeitung Seikyo aus, eine der führenden Blätter Japans. 1961 kam die 'Sports Nippon Newspaper' als Kunde hinzu, eine der größten Sportzeitungen des Landes. Zwei Kirschbäume vor der Seikyo-Zentrale, in Erinnerung an das Ehepaar Nagai, zeugen von der langjährigen Zusammenarbeit.
Keine Entlassung in 60 Jahren
1969 entwickelte sich das Unternehmen, das inzwischen 70 Mitarbeiter im Alter von 26 bis 70 Jahren beschäftigt, zur Aktiengesellschaft, und Junichi Nagai trat dem Unternehmen bei. "Schon unter meinem Vater war es Teil unserer Firmenpolitik, sich um die Mitarbeiter zu kümmern", erläutert der derzeitige Vorstandsvorsitzende. "In den 60 Jahren unserer Existenz haben wir nie einen Angestellten entlassen. Und wenn ein Mitarbeiter 70 ist und weitermachen möchte, kann er gern den Telefondienst oder andere leichte Tätigkeiten übernehmen."
Auch wenn die NTC-Mitarbeiter gewerkschaftlich nicht organisiert sind, was nach japanischem Arbeitsrecht nicht erforderlich ist, einigt sich das Firmenmanagement jedes Jahr mit den Personalvertretern auf ein Abkommen über die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten, das dann von der Inspektionsstelle für Arbeitsrechtsstandard überprüft wird.
In den Abkommen wird geregelt, unter welchen Bedingungen die Mitarbeiter Mehrarbeit leisten oder an Feiertagen arbeiten müssen. "Es erfüllt uns mit Stolz, dass wir uns vollständig an die Gesetze halten, wie dies der Tradition unseres Unternehmens entspricht", unterstreicht der NTC-Präsident Nagai. "Außerdem informieren wir unsere Arbeiter mindestens zwei Mal im Jahr über die finanzielle Situation des Unternehmens.
Geregelte Arbeitszeit
"In Japan genießen Arbeitnehmer rechtlichen Schutz, doch inwieweit diese Rechte eingehalten werden, ist eine ganz andere Frage", so der NTC-Geschäftsführer und jüngere Sohn des Firmengründers, Hiroshi Nagai. "Tatsächlich ist es eher ungewöhnlich, dass sich die Transportbranche an die Regeln hält. Wir jedoch können seit vielen Jahren gewährleisten, dass unsere Mitarbeiter nicht mehr als 40 Stunden arbeiten – an fünf Tagen die Woche."
Als Verfechter der Corporate Social Responsibility, der ethischen Verantwortung von Unternehmen für Umwelt und Soziales, zahlt der Konzern auch in die Arbeitslosen-, Gesundheits- und Rentenversicherung ein. So wie in Deutschland und anderen europäischen Ländern teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Kosten.
Dass sich die Firma strikt an die Gesetze hält, hat ihr eine Auszeichnung für gute Ausführung (G-Mark ) und das von der japanischen Transportbranche eingeführte Zertifikat für grünes Management eingebracht. Seit 2003 bewertet der Japanische Lkw-Verband die Sicherheit der heimischen Transportunternehmen. Die Ergebnisse werden veröffentlicht, um Kunden die besten Unternehmen zu empfehlen und die Firmen zur Verbesserung ihrer Sicherheitsvorkehrungen zu motivieren. Das Transportunternehmen der Familie Nagai hat sich sowohl für das G-Mark als auch für das Zertifikat für grünes Management qualifiziert – und das seit 2003 jährlich.
Was nicht alle japanischen Transportunternehmen von sich behaupten können. So hat eine Prüfung von 4.000 Mitgliederfirmen der 'Tokyo Truck Association' und 400 Nichtmitgliedern ergeben, dass die Angestellten von 28 Prozent dieser Transportunternehmen nicht sozial- oder gesundheitsversichert sind.
In Japan gibt es 63.122 Lkw-Transportfirmen, von denen 55,4 Prozent in Besitz von weniger als zehn Lastern und 21,7 Prozent zwischen elf und 20 Lkws sind. Seit dem letzten Jahr wurden 11.276 Transportfirmen oder 17,9 Prozent aller Lkw-Unternehmen mit einem G-Mark ausgezeichnet.
Während sich der ältere Nagai-Bruder auch als Vizevorsitzender der Vereinigung für Transportsicherheit in Mita engagiert, das zum Bezirk Minato gehört, organisiert der jüngere Verkehrssicherheitskurse für Kinder, gibt Sicherheitsinformationen aus und setzt an viel befahrenen Kreuzungen Lotsen ein. Japanische Polizeipräfekturen, die solche Freiwilligen-Dienste begrüßen, belohnen diese mit zwei G-Mark-Punkten pro Aktion. Um das G-Mark-Zertifikat zu erhalten, müssen die Lkw-Unternehmen 80 Punkte zusammenbringen. Die Nagais können 90 bis 92 Punkte vorweisen.
Umweltfreundlicher Fahrstil
Neben der Verkehrssicherheit ist dem Nagai-Unternehmen genießt auch die Energieeffizienz einen hohen Stellenwert. Ein umsichtiger Fahrstil der Lkw-Fahrer hat dafür gesorgt, dass ein Liter Treibstoff nicht nur fünf Kilometer, sondern inzwischen für 8,3 Kilometer reicht.
Zudem sind alle Firmenlaster mit modernen Fahrtenschreibern ausgestattet, die Daten über die Beschleunigung, Geschwindigkeit, Drehgeschwindigkeit und die Manövrieraktivitäten der Fahrer aufzeichnet. Darüber hinaus kommen Kameras zum Einsatz, die die Straße aus dem Blickwinkel der Fahrer aufnehmen und wie die Black Boxes für die Rekonstruktion von Unfällen nützlich sind.
Unternehmen der ersten Stunde
Dass es das Nagai-Transport-Unternehmen mit seiner ethischen Verantwortung ernst nimmt, hatte es bereits 1998 unter Beweis gestellt, als es wenige Monate nach Verabschiedung des Kiotoprotokolls zur Bekämpfung des Klimawandels im Dezember 1997 auf der UN-Klimakonferenz in der japanischen Stadt Kioto mit seinem grünen Engagement begann.
Junichi Nagai erinnert sich noch gut daran, wie viel Überzeugungsarbeit nötig war, um die Mitarbeiter vom Sinn aufwendiger und umweltfreundlicher Maßnahmen zu überzeugen. So mussten die Beschäftigten ihr Fahrverhalten zu Papier bringen. Die Informationen mussten vom Management ausgewertet, die Ergebnisse diskutiert und Verbesserungsvorschläge erarbeitet werden. Inzwischen wissen die Trucker um die Bedeutung, die sie bei der Verringerung der klimaschädlichen Treibhausgase spielen können. (Deutsche Übersetzung: Karina Böckmann | April 2010)
*Dieser Beitrag – eine gemeinsame Produktion von IPS Japan, IDN-InDepthNews, Global Perspectives und Global Cooperation Council – ist der erste einer Serie über 'Corporate Social Responsibility': Transport und Umwelt.
Links:
http://www.jta.or.jp/english/truckingtodayandtomorrow.pdf
http://www.keishicho.metro.tokyo.jp/kotu/suisin/suisin.htm
http://www.jta.or.jp/english/index.html
http://www.indepthnews.net/news/news.php?key1=2010-04-17%2010:41:56&key2=1

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